DLRG-Jugend -  Tübingen
 

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Wachdienst Burg auf Fehmarn (14. Juli – 04. August 2007)

Nach 11 Stunden Zug- und Busfahrt kamen wir endlich an der DLRG – Unterkunft am Südstrand an! Diese bestand aus zwei Wohnungen mit Doppel- und einem Sechserzimmer. Wir bekamen ein Doppelzimmer zugeteilt, in dem wir erst einmal unser diverses Gepäck abstellten. Dann traf sich auch schon die ganze Wachmannschaft im Aufenthaltsraum zur Teambesprechung und zu einer kurzen Vorstellungsrunde, denn die meisten waren auch erst im Laufe des Tages angereist und die wenigsten kannten sich. Dennoch gab es schon ein Paar, die in den vergangenen Jahren zusammen Wachdienst am Südstrand gemacht hatten. In der Vorstellungsrunde stellten wir fest, dass die Wachmannschaft aus allen Teilen Deutschlands kam. Unser Wachleiter kam ebenfalls aus dem Schwabenland. Unser Team bestand in den drei Wochen unseres Küstenaufenthalts aus 12 bis 15 Rettungsschwimmer/innen.
Nach der Vorstellungsrunde besprachen wir einige organisatorische Dinge: so zum Beispiel Putzdienst, Nachtruhe und Frühstück, welches immer um 7. 30 Uhr war. Hierzu sei gesagt, dass Pünktlichkeit an erster Stelle stand. Wer zum Frühstück zu spät kam, musste 1 € pro zu spät gekommene Minute in die Gemeinschaftskasse zahlen. Die Angst Abstriche vom Wachgeld machen zu müssen, verleitet alle zum ausreichend frühen Aufstehen, was allerdings in der „Waschhour“ in den nur zwei Bädern zu Engpässen führte, denn jeder wollte möglichst gewaschen am Frühstückstisch erscheinen. Des Weiteren gab es noch eine weitere Möglichkeit sein Wachgeld im wahrsten Sinne des Wortes in die Gemeinschaftskasse zu „befördern“, in dem man bei außergewöhnlicher Leistung oder einfach nur zum Spaß zu Ämtern befördert wurde. Diese Ehre musste mit 2 € vom Beförderten beglichen werden. Ämter waren beispielsweise „Geldeinsammler“ (z.B. fürs Frühstück), „Brötchenholer“ und ähnlich mehr oder minder sinnlose Dinge.
Nach dieser Einführung nutzten wir den Abend um uns kennen zu lernen, was recht schnell ging da alle sehr nett und kontaktfreudig waren.
Am nächsten Tag klingelte um 7 Uhr der Wecker. Nach dem gemeinsamen Frühstück gings um 9 Uhr erstmals auf die Wache. Hier begann unser „knallharter Wasserrettungsdienst“, wie es unser Wachleiter zu sagen pflegte. Erst bekamen wir eine Wacheinweisung, welche das Funken, die Ausstattung der Wache und Türme usw. beinhaltete. Als dies geschehen war, ging es erst einmal in die 16° C „warme“ Ostsee! Um nicht als „Rettungsmemme“ zu gelten blieben die Neoprenanzüge im Schrank. Nach unserer erfrischenden Begegnung mit der Ostsee, in der wir trotz Kälte rund 500 Meter geschwommen waren, durften wir im Hallenbad, welches rund 100 Meter von der Hauptwache entfernt war, zum Duschen.
Anschließend wurden wir auf die Wachtürme abkommandiert, wo immer zwei Wachgänger ihren spannenden Wachtag verbrachten. Der Rest der Mannschaft blieb auf der Hauptwache und wechselte sich mit Funk- und Sanitätsdienst ab.
Unser Wachgebiet bestand aus einer Hauptwache, drei Türmen und eigentlich zwei Booten, welche allerdings kaputt waren. So kam es, dass uns an unserem ersten Wachtag nur ein Tretboot und an den drei darauf folgenden Tagen nur ein 5 PS Schlauchboot der Feuerwehr zur Verfügung stand. Aber im Laufe unserer ersten Wachwoche, bekamen wir dann zwei akzeptable Rettungsboote, auf denen wir auch eingeteilt wurden.
Über die Mittagszeit waren die Türme immer nur mit einem Wachgänger besetzt, denn wir hatten ja auch mal hunger und so ging immer ein Wachgänger zum Mittagessen, welches wir im Mutter-Kind-Kurheim zu uns nahmen.
Zu unseren Hauptaufgaben während der drei Wochen gehörte natürlich der Blick aufs Wasser und kleinere Erste Hilfe Maßnahmen, wie zum Beispiel Pflaster kleben und die Behandlung von Quallenberührungen mit Rasierschaum. Dennoch gab es auch einen ernsthaften Einsatz bei dem zwei unserer Kameraden einer älteren Frau das Leben retten mussten.
Um immer fit für den Ernstfall zu sein, übten wir des Öfteren verschiedene Notfallszenarien wie z.B. eine bewusstlose Person in einem Strandkorb, den Umgang mit dem Tragetuch, das Blutdruck messen, die Bergung einer Person ins Rettungsboot, das Suchen einer Ertrunkenen Person und die Rettung einer ertrinkenden Person mit der Rettungsleine. Hierbei mussten wir feststellen, dass dies bei starker Strömung und hoher Brandung fast unmöglich ist.
Immer Mittwochs boten wir eine Neptuntaufe für Kinder an. Meeresgott Neptun (unser verkleideter Wachleiter) und natürlich seine Nixe (eine Wachgängerin) kamen um die Kinder über die Gefahren der Ostsee aufzuklären und die Baderegeln zu erfragen.
Das Taufritual ging so von Statten, dass die Kinder von Neptuns Gehilfen der DLRG (Christian) original Ostseewasser mit einer Gießkanne über das Haupt geleert und Sand vom Strand über die Schulter geschüttet bekamen.
Auch für uns Rettungsschwimmer, die so wie wir das erste Mal Wachdienst an der Küste machten fand, nach eineinhalb Wochen nach Wachschluss eine Taufe statt. Dies ist ein traditionelles Unterfangen. Hierzu mussten wir 8 Täuflinge zusammen ein Lied dichten, des Weiteren musste jeder 12 Seemannsknoten, dass Flaggenalphabet, sowie einen Taufspruch können, welchen man eine Stunde vor der Taufe bekam. Jeder musste zusätzlich noch eine Kreativaufgabe vorbereiten, die er beim „Bergfest“ präsentieren musste. Zum Ablauf der Taufe sei zu sagen, dass erst jeder einen Knoten vorführen musste und dann die zugehörige Flagge zu einem zugeteilten Buchstaben beschreiben musste. Wurde hierbei etwas falsch gemacht, gab es eine „Gedächtnispille“. Danach begann der eigentliche Taufvorgang. Hierzu mussten wir Täuflinge in eine Wanne mit verschiedenen „Meeresvorkommnissen“ hinein steigen. Dann musste man, während einem Sand und Wasser über den Kopf geleert wurde und ein bis zwei Quallen in die Badehose gesteckt wurde, den Taufspruch aufsagen. Natürlich mussten auch hier Gedächtnispillen geschluckt werden, wenn einem ein Fehler unterlief. Das Schlimmste kam aber erst dann… ein Stück Qualle galt es zu verspeisen! Zu guter letzt bekam jeder Täufling noch ein Gläschen Küstennebel. Danach wurde das Bergfest gefeiert, finanziert durch die Einnahmen aus Beförderungen und Neptuntaufen.
Auch nach Wachschluss um 18 Uhr musste es keinem langweilig werden: Wir fuhren zwei mal mit der Fähre nach Dänemark, besichtigten einen Seenotrettungskreuzer, einen Leuchtturm, ein U-Boot, gingen zusammen Eis essen, besuchten ein Erlebnisbad, eine Beachparty und ein Openairkino, oder machten uns einfach nur einen schönen Abend mit gekühltem Bier.
Insgesamt erlebten wir spannende, erlebnisreiche und lehrreiche drei Wochen an der Ostsee und sind nächstes Jahr selbstverständlich wieder dabei!!!
(Text: Christian Franzke und Benjamin Bachmann)

 
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zuletzt geändert am 28.12.2010 um 23:21 Uhr
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